Navigation überspringen

Recht lebt in Sprache

  • 13. Mai 2009, 18 Uhr (c.t.)
  • Professor Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof, Heidelberg
Prof. Dr. Paul Kirchhof

Wie beeinflusst unsere Sprache den Ablauf und den Ausgang von Verhandlungen? Welche Rolle spielt die „richtige“ Sprache beim Abschluss von Verträgen? Was wäre ein Richterspruch ohne Sprache? Um die Sprachgebundenheit des Rechts geht es im Semestereröffnungsvortrag „Recht lebt in Sprache“ des Centrums für Verhandlungen und Mediation (CVM).

Gerichtliche und außergerichtliche Verhandlungen werden durch ihre jeweilige Sprache geprägt und beeinflusst. Ob Verhandlungen nun mit einem streitigen Urteil, einem Vergleich oder einer außergerichtlichen Einigung enden - das Ergebnis soll regelmäßig in einem allgemein verständlichen Schriftstück festgehalten werden. Insbesondere bei einer außergerichtlichen Einigung ist es unerlässlich, diese in eine sprachliche Form zu gießen, die den Willen der Parteien widerspiegelt. Gerade unterschiedliche Sprachprägung, Herkunft, kulturelle oder soziale Sprachdifferenzen führen dazu, dass der gleiche Text unterschiedlich verstanden wird und wiederum Streit über seinen Inhalt entstehen kann. Sprache im Recht ist daher ein hochkomplexes Thema, das unterschiedliche Disziplinen wie Rechtswissenschaften, Sprachforschung, Soziologie und Psychologie gleichermaßen berührt.

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Paul Kirchhof ist ordentlicher Professor für Öffentliches Recht an der Universität Heidelberg. Mit dem Vortragsthema setzt er sich nicht nur in seiner Rolle als Hochschullehrer und Wissenschaftler auseinander: Von 1987 bis 1999 war Kirchhof Richter am Bundesverfassungsgericht und wirkte dort an einer Vielzahl von Urteilen mit, die Recht und Alltag in der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig beeinflusst haben. Mit seinem Entwurf für ein Einkommensteuergesetzbuch kämpft er für ein einfacheres und verständliches Steuerrecht. 2005 erhielt Paul Kirchhof für seine Verdienste um die Sprache des Rechts den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache.

Nach dem Vortrag besteht Gelegenheit zur vertiefenden Diskussion des Themas mit dem Auditorium.